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BKK Schwarzwald-Baar-Heuberg

16.08.2007 | Ein Minicomputer für die Westentasche

Die „elektronische Gesundheitskarte“ kann viel – sogar unnötigen Papierkram verhindern

Auf den ersten Blick scheint sich nicht viel geändert zu haben: Wer die neue elektronische Gesundheitskarte in die Hand nimmt, wird kaum einen Unterschied zur bisherigen Versicherungskarte feststellen. Augenfällig ist, dass sie mit einem Foto des Versicherten versehen ist – ein Sicherheitsmerkmal und ein Hinweis darauf, dass die elektronische Gesundheitskarte weit mehr ist als ein Versicherungsausweis.

Tatsächlich halten Sie mit der neuen Karte einen Minicomputer in der Hand, der über zahlreiche Funktionen verfügt. Sie können sich damit nicht nur wie bisher beim Arzt ausweisen – die Karte „weiß“ auch, welche Medikamente Sie in der Apotheke erhalten sollen. Neben den so genannten Pflichtanwendungen kann sie auch weitere Funktionen zur Verfügung stellen, die allesamt freiwillig sind.

Wenn Sie möchten, kann der Arzt mit Hilfe der Karte medizinische Daten von Ihnen speichern, zum Beispiel Ihre Krankengeschichte, Untersuchungsergebnisse und Behandlungen. Für den Notfall können Sie wichtige Informationen – etwa Impfschutz, Unverträglichkeiten und Vorerkrankungen – in Kurzform auf der Karte speichern lassen. Darüber hinaus kann die elektronische Gesundheitskarte zusätzlich mit einer „europäischen Krankenversicherungskarte“ auf der Rückseite ausgestattet sein. Das ermöglicht die Inanspruchnahme von Leistungen in den Mitgliedstaaten der EU.

Als echtes Multitalent hilft die Karte so, den „Papierkrieg“ zu reduzieren, Kosten für Patient und Arzt transparenter zu machen, Risiken durch Informationsaustausch zu minimieren und Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Erklärtes Ziel ist es, die Qualität der medizinischen Versorgung und der patientenorientierten Dienstleistungen zu verbessern und gleichzeitig mehr Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit im Gesundheitswesen zu erreichen.

 

Einmaliges Projekt

Das Projekt elektronische Gesundheitskarte ist in vielerlei Hinsicht einmalig. Die Karte selbst ist nur ein kleiner, wenn auch zentraler Baustein eines gigantischen Netzwerkes, ohne das sie überhaupt nicht funktionieren könnte. Für dieses Netzwerk werden nicht nur die rund 80 Millionen Versicherten in Deutschland eine elektronische Gesundheitskarte bekommen. 21.000 Apotheken, 123.000 niedergelassene Ärzte, 65.000 Zahnärzte, 2.200 Krankenhäuser sowie knapp 240 Krankenkassen müssen zu einem Online-Verbund zusammengeschaltet werden – ein gewaltiges Vorhaben, umfangreicher noch als die Einführung der LKW-Maut.

Die Umsetzung dieses Projektes durch die Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens, an der neben den Krankenkassen auch die Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenhäuser, Ärzte, Apotheken etc. beteiligt sind, läuft von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt bereits seit geraumer Zeit. Ursprünglich war ein früherer Starttermin für die Einführung vorgesehen, doch es kam zu Verzögerungen:

„Wenn wir mit der elektronischen Gesundheitskarte an den Start gehen, dann wollen wir auch im Interesse unserer Versicherten gewährleisten können, dass das System einwandfrei und im Sinne aller funktioniert“, betont Ulf Göres, Projektkoordinator beim BKK Bundesverband in Essen mit Blick auf die Pannen bei der LKW-Maut. „Sorgfältige Planung, Abstimmung und ausführliche Tests sind dafür die Voraussetzung und haben Vorrang vor voreiligen Erfolgsmeldungen.“ Ein Projekt mit so vielen Beteiligten und teils unterschiedlichen Interessen benötigt für eine zuverlässige Umsetzung eben seine Zeit.

 

Aufwand lohnt sich

Vor allem die Investitionen in die technische Infrastruktur sind immens: Ärzte und Apotheker müssen über entsprechende Lesegeräte und einen so genannten Heilberufeausweis verfügen. Der Heilberufeausweis ist das Gegenstück zur elektronischen Gesundheitskarte. Er ist mit einer elektronischen Signatur versehen, die Ärzte und Apotheker berechtigt, die für sie bestimmten Daten abzurufen. Alle Beteiligten – auch die Krankenhäuser und Krankenkassen – müssen zudem mit der so genannten Telematik-Infrastruktur vernetzt werden. Hier laufen die Kernprozesse im Zusammenhang mit der elektronischen Gesundheitskarte ab:

  • Der Versichertenstammdaten-Dienst (VSDD) gleicht die auf der Karte gespeicherten Daten wie zum Beispiel der Name des Versicherten, seine Krankenkasse und sein Versichertenstatus mit den von den Krankenkassen bereitgestellten Informationen automatisch ab und verhindert so einen Missbrauch.
  • Der Verordnungsdatendienst (VODD) ermöglicht die Übermittlung von Verschreibungen und bildet die Grundlage für das elektronische Rezept. Damit wird sichergestellt, dass Sie in der Apotheke die Medikamente bekommen, die der Arzt verordnet hat.
  • Das Kartenapplikationsmanagementsystem (KAMS) verwaltet alle Funktionen und Komponenten der elektronischen Gesundheitskarte. Dazu gehören auch Signaturzertifikate, die sicherstellen, dass nur der Inhaber seine Karte benutzen kann. Über das KAMS kann die Karte auch gesperrt werden.

Für die Entwicklung und den Aufbau der Infrastruktur hat die Selbstverwaltung des Gesundheitswesens eine eigene Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH (gematik) gegründet. In ihr sind alle Akteure der Selbstverwaltung vertreten. Sie fungiert als Schnittstelle zur Industrie, die einzelne Technologien und Komponenten für das Netzwerk liefert. Ulf Göres: „Die Kosten für den Aufbau dieser Infrastruktur sind natürlich enorm. Die Investitionen für das System sollen sich wegen der Kostenersparnis durch die Optimierung der gesamten Abläufe im Gesundheitswesen mittelfristig amortisieren.“

 

Testphase hat begonnen

Nach einer gründlichen Vorbereitungsphase, in der die Leistungsfähigkeit der einzelnen Komponenten des Projekts „elektronische Gesundheitskarte“ erprobt und ihr Zusammenspiel überprüft wurde, laufen seit Ende 2006 die Tests in den einzelnen Testregionen. Zeitversetzt steigen die Testregionen seit dem Frühjahr 2007 allmählich auf Testdaten um: Rund 70.000 Versicherte in sieben ausgewählten Testregionen nehmen dann den alltäglichen Umgang mit der elektronischen Gesundheitskarte vorweg.

Die „Karten-Tester“ haben bereits eine neue Krankenversicherungsnummer (KVNR) bekommen, die lebenslang gültig bleibt – selbst wenn man die Krankenkasse wechselt. Von ihrer Krankenkasse haben sie bereits eine neue elektronische Gesundheitskarte mit ihrem Foto erhalten.

Um bei den sensiblen Daten der Versicherten nichts dem Zufall zu überlassen und gegen jeglichen technischen Zwischenfall gerüstet zu sein, behalten die alten Versichertenkarten in der Testphase ihre Gültigkeit. Im Gegensatz zu den Testpersonen müssen sich die übrigen Bundesbürger noch in Geduld üben. Das Bundesgesundheitsministerium peilt die flächendeckende Einführung der elektronischen Gesundheitskarte derzeit für 2009 an.

 

eGK hilft beim Bürokratieabbau

Welche Vorteile die neue Karte in der Praxis dann tatsächlich bringt, davon können sich die ersten Versicherten bald selbst überzeugen. Experten erwarten vor allem, die ausufernde Bürokratie mit Hilfe der neuen Karten einzudämmen: „Im Grunde ist das Ganze so ähnlich wie bei der EC-Karte, die ja heute auch ganz selbstverständlich nicht nur zum Bezahlen, sondern auch für eine Reihe anderer Funktionen verwendet wird“, vergleicht Ulf Göres die Gesundheitskarte mit ihrem Pendant aus der Finanzwelt. „Man muss keine Formulare, Rezepte, Überweisungen oder Anträge mehr ausfüllen und auch keine Unterschriften leisten – das wird dann alles am Bildschirm und mit der Karte erledigt. Arzt- und Apothekenbesuche – auch im Internet – werden damit so unkompliziert, einfach und zugleich sicher wie noch nie.“

Verlaufen die Tests erfolgreich, wird der Betriebsaufbau im kommenden Jahr mit Echtdaten fortgesetzt und eine abschließende Testphase unter Einbeziehung einer größeren Anzahl von Versicherten, Ärzten und Apotheken durchgeführt. Unter Realbedingungen werden dann ab 2008 noch einmal die Belastungsfähigkeit des Systems und die Funktion der einzelnen Komponenten überprüft.

Erst wenn alles wasserdicht ist, beginnt schrittweise die Umstellung des Gesundheitswesens auf das digitale Zeitalter – und damit eine umfassende Modernisierung, ohne die eine Versorgung der Patienten auf dem jetzigen Niveau in der Zukunft nicht mehr möglich wäre.

 

Die neue Krankenversicherungsnummer

Mit der elektronischen Gesundheitskarte bekommen Sie auch eine neue Krankenversicherungsnummer (KVNR). Im Normalfall bekommen Sie davon nichts mit, da Ihre Betriebskrankenkasse alles für Sie erledigt. Die KVNR wird von einer von den Krankenkassen eingerichteten Vergabestelle mittels sicherer Verschlüsselungsverfahren aus Ihrer Rentenversicherungsnummer generiert. Bei diesem Prozess werden die vorhandenen Daten der Krankenkasse mit den Daten des Rentenversicherungsträgers abgeglichen. Erst wenn bei diesem Abgleich Differenzen festgestellt werden, werden Sie angeschrieben. Das passiert auch dann, wenn mitversicherte Familienangehörige nicht beim Rentenversicherungsträger gemeldet sind. Dies ist z. B. dann der Fall, wenn noch nie ein Beschäftigungsverhältnis bestand oder die Geburtsinformationen nicht vollständig waren. In diesem Fall erhalten Sie einen so genannten Familienfragebogen, indem die fehlenden Daten nachzutragen sind.

 

Technische Angaben zum Lichtbild

Für die elektronische Gesundheitskarte wird ein Foto von Ihnen benötigt. Vor der Ausstellung der Karte schreibt Sie Ihre Betriebskrankenkasse an und bittet Sie um Abgabe eines solchen Lichtbildes. In diesem Anschreiben erfahren Sie auch, wie dieses Lichtbild beschaffen sein muss. Grundsätzlich gelten die gleichen gesetzlichen Bestimmungen wie beim Passbild: Die Mindestgröße beträgt 24 x 19 mm und der Karteninhaber muss zweifelsfrei zu erkennen sein. Das Gesicht ist in einer Höhe von mindestens 20 Millimeter darzustellen und muss die Person in Frontalansicht und ohne Kopfbedeckung zeigen. Ausnahmen gelten lediglich für Angehörige bestimmter Religionsgemeinschaften, geistlicher Orden und verschiedener Schwesternschaften, solange die Person eindeutig identifizierbar bleibt. Ein „Absoften“ des Fotorandes und ein „Freistellen“ des Kopfes sind gestattet. Kinder unter 16 Jahren und Versicherte, deren Mitwirkung bei der Erstellung des Lichtbildes nicht möglich ist (z. B. Schwerpflegebedürftige), sind von der Lichtbildpflicht befreit.

 

Telematik-Infrastruktur

Die so genannte Telematik-Infrastruktur (TI) enthält alle Bestandteile wie Computer, Server, Dienste etc., die für den Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte notwendig sind. Wird z. B. Ihre elektronische Gesundheitskarte in der Arztpraxis eingelesen, dann erfolgt über die TI innerhalb weniger Sekunden ein Datenabgleich über gesicherte Verbindungen zwischen der Karte und den aktuellen Daten auf den Servern. Auf diese Weise wird Ihre Karte vor Missbrauch geschützt.

© BKK Bundesverband

 

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